Reinigung, Hygiene und Ordentlichkeit – wichtige Fragen an die ganze Familie
Reinigung, Hygiene und Ordentlichkeit – wichtige Fragen an die ganze Familie

„Ordnung ist das halbe Leben“ so sagt ein altes Sprichwort und bei einem Blick in die volle Regale mit Reinigungsmitteln mancher Supermärkte möchte man oft ergänzen: „und Reinigung und Sauberkeit machen die andere Hälfte aus“.  In der Tat sind Reinigung, Hygiene und Ordentlichkeit wichtige und heißdiskutierte Themen in unserer Gesellschaft. Vor allem was die eigene Wohnung und Familie angeht, ist das Thema Gesundheit, Reinigung und Sauberkeit allgegenwertig. Unsauberkeit und Unordnung sind gesellschaftliche Tabus, vor allem frischgebackene Mütter haben oft die Angst als Rabenmutter oder  ähnliches bezeichnet zu werden, wenn mal etwas liegen bleibt oder die Fenster ein paar Fingerabrücke des Kleinen aufweisen. Das erzeugt jede Menge psychischen Druck und den Wunsch alles besonders rein für Partner und Kinder zu halten. Doch was viel wichtiger ist, als sich selbst an oft unmögliche Reinigungsstandards zu halten, ist zu hinterfragen, wie sauber muss es wirklich sein? Kann es sogar zu sauber sein? Was gehört zu den Grundlagen der Wohnungsreinigung und was kann auch mal ein paar Tage warten, oder muss gar nicht erst beachtet werden?

Was gehört zur Grundreinigung?

Der durchschnittliche Haushalt sollte in der Regel einmal wöchentlich geputzt werden. Vor allem bei Kleinkindern, die beim Kabbeln und den ersten Schritten oft auf dem Boden landen, ist das feuchte Wischen aller Böden und Saugen der Teppiche Pflicht. Natürlich muss jede Familie ganz individuell schauen, in welchem Abstand welche Art Reinigung erledigt werden muss. Leben zusätzlich zu Kindern zum Beispiel noch Haustiere in der Wohnung, so muss die Wohnung deutlich häufiger gereinigt werden, als in einem Single- oder 2-Personen-Haushalt.

Bad und Küche putzt man am besten nach dem Prinzip, es ist Schmutz da, also wird er weggemacht. So können sich Verschmutzungen nicht festsetzten und die Reinigung geht leichter von der Hand. Dabei ist aber zu bedenken: Zahnpasterrückstände im Waschbecken oder ein paar Wasserspritzer am Spiegel haben noch keine Wohnung unbewohnbar gemacht, vor allem mit kleinen Kindern liegen die Prioritäten natürlich eher wo anders – und das dürfen sie auch. Mal die Füße hochlegen, oder ein schöner Ausflug mit Kind und Kegel gehen vor fleckenfreier Reinigung der Wohnung vor.

Hausmittel oder Chemiekeule?

Regale über und über gefüllt mit Reinigern: Die Auswahl an Spezialreinigern für den Wohnungsputz ist groß. Hausfrauen und Hausmännern stellt sich oft die Frage, ob die vielen Spezialreiniger, welche im Handel angeboten werden, überhaupt notwendig und nützlich sind. Darüber scheiden sich die Geister. Manch einer schwört auf die Flasche Essigessenz, mit der die ganze Wohnung geputzt wird. Andere hingegen schwören auf Spezialreiniger für jeden Anlass und Raum. Studien und auch oft die eigene Erfahrung zeigen aber: Der mechanische Akt der Reinigung ist wichtiger als das Reinigungsmittel selbst. Das heißt gründliches Schrubben hat eine größere Erfolgsquote als aggressive Reiniger – und bietet ganz nebenbei noch ein schönes Arm-Workout.

Sauber, sauberer, schädlich?

Die Angst vor Bakterien, Viren und andere Keime ist besonders in Zeiten der Schweine- und Vogelgrippe groß. Laut einer Studie benutzt jeder Zweite von fast 2000 befragten Desinfektionsmittel in seiner Wohnung. Deshalb boomt das Angebot an Desinfektionsmitteln und deren Versprechen sind mächtig: diese Mitelchen sollen 99% aller Bakterien töten und für eine keimfrei Umgebung sorgen. Die professionelle Reinigung hat mittlerweile sogar Reinigungsgeräte konstruiert, die 99,9 % aller Keime entfernen und  im Gegensatz zu herkömmlichen Staubsaugern auch aus der Raumluft fern halten (siehe hier). Doch ist das überhaupt sinnvoll?

Desinfektionsmittel enthalten aggressive chemische Wirkstoffe wie Chlor, Alkohole oder Phenole. Die gewünschte Wirkung entfalten diese Wirkstoffe nur in bestimmten sehr hohen Konzentrationen. Einige dieser desinfizierenden Zusätze sind, vor allem in hoher Konzentration, als gesundheitsgefährdend eingestuft oder können die Umwelt schädigen.

Unter normalen Umständen sind demnach nach Expertenmeinung solche Chemiekeulen nicht nur sinnlos, sondern können sogar schädlich sein. Normale umweltverträgliche Reinigungsmittel reichen für den Hausverbrauch vollkommen aus. Chemische Desinfektionsmittel stellen eine unnötige Belastung für die Umwelt dar und erhöhen das Risiko für Allergien. Besonders bei kleinen Kindern ist Vorsicht geboten. Sie lernen ihre Umwelt durch Tasten, Fühlen und Schmecken kennen und nehmen deswegen viele Dinge in den Mund, so sind sie den chemischen Zusätzen noch einmal mehr ausgesetzt als Erwachsene.

Zu viel Sauberkeit kann schädlich sein – vor allem für Kinder

Speziell bei Babys, deren Immunsystem noch nicht vollständig ausgeprägt ist, müssen Eltern besonders auf Hygiene achten. Daher sollten Trinkflaschen, Schnuller und Aufsätze regelmäßig heiß abgekocht werden um Bakterien abzutöten. Auch Kuscheltiere und –tücher, Babys ständige Begleiter, sollten öfter mal in der Kochwäsche landen, alleine schon um sie nach ausgiebigen Spielplatzbesuchen wieder sauber zu bekommen.

Doch sollte die Angst vor Bakterien nicht all zu groß sein. Natürlich gibt es schädliche Bakterien, vor allem für Babys, allerdings töten Desinfektionsmittel auch Bakterien, die harmlos, oder sogar nützlich sind. Studien zeigen, kommen Babys und Kinder mit zu wenig Bakterien in Kontakt, können sich sogar Allergien entwickeln. Übermäßige Hygiene kann das Immunsystem abschwächen und den Organismus anfälliger für Krankheiten machen. Einer Studie zufolge erkranken Kinder, die in Städten aufwachsen, 15-mal häufiger an Allergien als ihre auf Bauernhöfen groß gewordenen Altersgenossen. Eine hohe Keimkonzentration scheint demzufolge vor Allergien zu schützen.

Sauberkeit, nicht absolute Sterilität

„Dreck macht Speck“, sagte man früher, wenn etwas Essbares auf den Boden gefallen und ein bißchen schmutzig geworden ist, aber dennoch noch genieß- und essbar war. Mit dieser Gelassenheit und frei nach dem Motto „Dreck macht fit“, sollte man auch heutzutage die Reinigung und Reinlichkeit der Wohnung betrachten.

Die Devise heißt Sauberkeit, nicht aber absolute Desinfektion. Solange auf eine gewisse Grundreinigung geachtet wird, hat etwas Unordnung oder Dreck noch niemanden geschadet.

Bildquelle: © Rainer Sturm / PIXELIO

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