Ablauf einer normalen Geburt

Eine normale Geburt, fachsprachlich spontane oder vaginale Geburt, ist eine Geburt ohne geplanten Kaiserschnitt. Sie verläuft in drei Abschnitten. In der Eröffnungsphase weitet sich der Muttermund, die Öffnung des Gebärmutterhalses. In der Austrittsphase presst die Frau, bis das Kind geboren ist. In der Nachgeburtsphase wird die Plazenta ausgestoßen. Schmerzmittel oder wehenfördernde Medikamente können die Geburt trotzdem begleiten.

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Wie lange die Geburt dauert und wie sie sich anfühlt, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Auch der Ablauf der Phasen kann sich von Geburt zu Geburt unterscheiden.

Woran erkennt man den Geburtsbeginn?

Der errechnete Geburtstermin ist nur ein Richtwert. Eine normale Schwangerschaft dauert meist zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche, und nur etwa vier Prozent der Kinder kommen genau am errechneten Tag zur Welt. Es ist also ganz normal, wenn es etwas früher oder später losgeht.

Mögliche Vorzeichen einer beginnenden Geburt sind:

  • unregelmäßige Vorwehen oder Senkwehen
  • zunehmende Rückenschmerzen
  • der Abgang des Schleimpfropfes
  • häufiger Stuhldrang oder leichter Durchfall
  • das Platzen der Fruchtblase

Der Abgang des Schleimpfropfs bedeutet nicht unbedingt, dass die Geburt unmittelbar beginnt. Er kann schon einige Tage vorher auftreten. Auch ein Blasensprung muss nicht immer von starken Wehen begleitet sein. Bei regelmäßig einsetzenden Wehen oder einem Blasensprung sollten Sie den vereinbarten Geburtsort kontaktieren oder aufsuchen.

Vorwehen und echte Geburtswehen lassen sich gut unterscheiden. Vorwehen sind meist unregelmäßig, eher kurz und weniger stark, viele Frauen können sich während einer Vorwehe noch unterhalten. Echte Geburtswehen werden regelmäßiger, dauern ungefähr eine Minute und sind so kräftig, dass Sie sich auf die Atmung konzentrieren müssen. Typische Abstände zwischen Geburtswehen liegen bei etwa fünf bis fünfzehn Minuten.

Wann Sie in die Klinik fahren sollten, hängt von Ihrer Situation ab. Als Orientierung gilt beim ersten Kind: Wehen, die etwa eine Stunde lang regelmäßig alle fünf Minuten kommen, ungefähr eine Minute dauern und sich nicht mehr gut ablenken lassen. Ab dem zweiten Kind reichen regelmäßige Wehen im Abstand von etwa zehn Minuten. Diese Angaben sind nur eine Orientierung. Wie schnell Sie tatsächlich aufbrechen sollten, hängt auch von der Entfernung zum Geburtsort, dem bisherigen Geburtsverlauf und der Empfehlung Ihrer Hebamme oder Ärztin ab.

Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase beginnt mit wirksamen Geburtswehen. Die Gebärmuttermuskulatur zieht sich regelmäßig zusammen. Dadurch wird der Gebärmutterhals weicher und der Muttermund öffnet sich allmählich. Gleichzeitig tritt der kindliche Kopf meist tiefer in das Becken.

In der frühen Phase sind die Wehen häufig noch unregelmäßig, relativ kurz und durch längere Pausen unterbrochen. Der Muttermund beginnt sich zu öffnen. Diese Phase dauert unterschiedlich lange und wird nicht von allen Frauen gleich wahrgenommen. In der aktiven Phase werden die Wehen stärker, regelmäßiger und länger, die Abstände verkürzen sich. Der Muttermund öffnet sich weiter, bis er vollständig geöffnet ist, in der Praxis meist bei etwa zehn Zentimetern.

Während dieser Zeit kontrolliert das geburtshilfliche Team regelmäßig, wie es Ihnen und dem Kind geht. Dazu gehört, den Geburtsfortschritt zu beobachten und die kindlichen Herztöne zu kontrollieren.

Die Eröffnungsphase dauert meist am längsten. Eine Spontangeburt dauert insgesamt etwa vier bis achtzehn Stunden, bei Erstgebärenden in der Regel länger als bei Frauen, die bereits geboren haben. Es gibt aber keine verlässliche Standarddauer, manche Geburten dauern nur wenige Stunden, andere ein bis zwei Tage.

Die Austrittsphase

Die Austrittsphase, auch Austreibungs- oder Pressphase genannt, beginnt, sobald der Muttermund vollständig geöffnet ist. Das Kind wird durch die Wehen tiefer in das Becken geschoben. Auf dem Weg durch den Geburtskanal dreht sich der kindliche Kopf um etwa neunzig Grad, damit er sich der Form des mütterlichen Beckens anpasst.

Ein vollständig geöffneter Muttermund bedeutet nicht, dass Sie sofort pressen müssen. Die Austrittsphase hat eine passive und eine aktive Phase: In der passiven Phase ist der Muttermund offen, aber es besteht noch kein Pressdrang. In der aktiven Phase ist das Kind sichtbar, es besteht Pressdrang oder Sie pressen aktiv. Die Geburt kann eine Weile voranschreiten, bevor der Pressdrang einsetzt.

Welche Position Sie während der Austrittsphase einnehmen, dürfen Sie weitgehend selbst bestimmen. Die medizinische Leitlinie zur vaginalen Geburt empfiehlt, die Gebärende nicht routinemäßig in die Rückenlage zu bringen. Seitenlage, aufrechtes Sitzen, Hocken oder andere Positionen, die Sie als angenehm empfinden, sind möglich. Welche Haltung geeignet ist, hängt von der Situation, Ihrem Befinden, der Lage des Kindes und gegebenenfalls einer Schmerzmittelgabe ab.

Die Pressphase

Kurz bevor der Kopf geboren wird, entsteht häufig ein deutlicher Pressdrang. Sie spüren dann den Impuls, bei den Wehen mit der Bauchmuskulatur mitzuschieben. Das Kind wird in der Regel mit dem Kopf voran geboren, danach folgen die Schultern und anschließend der übrige Körper.

Nach der Geburt legt die Hebamme das Baby in der Regel auf Ihren nackten Bauch oder Ihre Brust und bedeckt es mit warmen Tüchern. So beginnt der direkte Hautkontakt, während Hebamme und gegebenenfalls Ärztin oder Arzt den Zustand von Mutter und Kind beobachten. Das Neugeborene wird nach dem Apgar-Schema beurteilt, das den Zustand des Kindes anhand bestimmter klinischer Zeichen beschreibt. Nur etwa fünf von hundert Kindern haben eine Minute nach der Geburt einen Apgar-Wert von sieben oder weniger und werden deshalb besonders überwacht.

Die Nabelschnur wird meist innerhalb der ersten fünf Minuten abgenabelt. Ein späteres Abnabeln ist ebenfalls möglich, wenn die Situation es zulässt und Sie es wünschen. Viele Babys suchen bald nach der Geburt die Brust. Wenn Sie und das Kind stabil sind, kann das erste Anlegen an die Brust bereits im Kreißsaal stattfinden.

Die Nachgeburtsphase

Nach der Geburt des Kindes zieht sich die Gebärmutter erneut zusammen. Diese Nachgeburtswehen sind meist schwächer als die vorherigen Geburtswehen. Sie sorgen dafür, dass sich die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, von der Gebärmutterwand löst. Danach wird sie zusammen mit den Eihäuten und dem verbliebenen Teil der Nabelschnur ausgestoßen.

Bei der Nachgeburt fließen häufig etwa dreihundert Milliliter Blut ab. Es kann bis zu zwei Stunden dauern, bis die Nachgeburt vollständig geboren ist. Danach kontrolliert das Team, ob die Plazenta vollständig ist. Das ist wichtig, weil zurückgebliebene Plazentareste die Rückbildung der Gebärmutter und die Blutstillung beeinträchtigen können.

Ob die Nachgeburt abgewartet oder aktiv unterstützt wird, hängt von Ihrer Situation ab. Beim passiven Vorgehen wartet das Klinikpersonal ab, ohne die Dauer zu beeinflussen. Beim aktiven Vorgehen wird ein Medikament wie Oxytocin gegeben, damit sich die Gebärmutter zusammenzieht, etwa bei erhöhtem Blutungsrisiko. Keine der beiden Vorgehensweisen ist für alle Gebärenden gleichermaßen richtig, die Entscheidung trifft das Klinikpersonal gemeinsam mit Ihnen.

Was kann zusätzlich nötig sein?

Auch bei einem grundsätzlich normalen Verlauf können verschiedene Maßnahmen dazu kommen. Zur Schmerzlinderung stehen Schmerzmittel, Lachgas oder eine Periduralanästhesie, kurz PDA, zur Verfügung. Ängste und Anspannung können Schmerzen verstärken, eine entspannte Atmosphäre hilft vielen Frauen. Wie stark der Schmerz empfunden wird, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich.

Wenn die Wehen nicht ausreichend stark sind oder der Geburtsfortschritt nachlässt, kann ein Wehentropf eingesetzt werden, der ein wehenförderndes Medikament zuführt. Muss das Kind in der Austrittsphase schnell geboren werden oder sind Sie zu erschöpft, kann eine vaginal-operative Geburt erforderlich sein, bei der das Kind mit einer Saugglocke oder einer Geburtszange unterstützt wird. Etwa sieben von hundert Geburten werden auf diese Weise beendet, wobei heute deutlich häufiger die Saugglocke verwendet wird.

Bei rund vierzig Prozent der Geburten kommt es zu einem Dammriss, also einem Einriss des Gewebes zwischen Scheide und After. Ein Dammschnitt, ein gezielter Schnitt in dieses Gewebe, wird heute nicht routinemäßig zur Vorbeugung eingesetzt, weil er Dammrisse nicht zuverlässig verhindert und nicht besser heilt als ein Riss.

familien-frage.de