Wenn Ihr Baby den ersten Brei ausspuckt, den Kopf wegdreht oder nach zwei Löffeln den Mund verschließt, ist das kein Fehlstart. Ihr Kind lernt neue Geschmäcker und Konsistenzen kennen und übt, vom Löffel zu essen. Am Anfang stammt die meiste Energie weiterhin aus Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung. Ein paar Löffel Brei reichen. Der Druck, den Sie sich selbst machen, ist meist größer als das Problem.
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Kleine Mengen und wiederholtes Anbieten
In den ersten Wochen sind kleine Mengen völlig normal. Entscheidend ist nicht, wie viele Gramm oder Löffel gegessen werden, sondern dass Ihr Baby neue Geschmäcker und Texturen kennenlernt und übt, Nahrung im Mund zu bewegen und zu schlucken. Ein paar Teelöffel fein püriertes Gemüse reichen als Anfang. Danach erweitern Sie die Mahlzeit nach und nach.
Wenn Ihr Baby beim ersten Versuch ablehnt, heißt das nicht, dass es das Essen später nicht mag. Babys brauchen manchmal zehn oder mehr Anläufe, bis sie ein neues Lebensmittel annehmen. Diese Zahl ist keine feste Regel für jedes Kind, sondern eine Orientierung aus Studien und Ratgebern. Bieten Sie das Lebensmittel ohne Zwang wiederholt an.
Milch bleibt in dieser Phase wichtig. Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung sollen Sie weiterhin nach Bedarf anbieten. Beikost ersetzt Milchmahlzeiten nach und nach. Kuhmilch als Getränk ist im ersten Lebensjahr kein Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung. Erst gegen Ende des ersten Lebensjahres kommt sie in kleinen Mengen in Frage.
Reifezeichen statt Kalenderdruck
Der Zeitpunkt des Beikoststarts hängt von Alter und Entwicklung ab. Deutsche Elterninformationen nennen als Zeitfenster den Zeitraum nach dem vollendeten vierten Monat bis zum Beginn des siebten Monats. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt den Beginn ergänzender Nahrung ab etwa sechs Monaten. Beide Angaben sind keine starren Termine.
Wichtiger als der Kalender sind die Reifezeichen Ihres Babys. Es kann mit Unterstützung aufrecht sitzen und den Kopf kontrollieren. Es öffnet den Mund, wenn Nahrung angeboten wird, und kann Nahrung zunehmend schlucken, statt sie reflexartig wieder herauszuschieben. Außerdem zeigt es Interesse am Essen. Sie müssen nicht alle Zeichen gleichzeitig abhaken. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Baby bereit ist, sprechen Sie in der Kinderarztpraxis darüber.
Druck herausnehmen
WHO und deutsche Fachstellen empfehlen, sich beim Füttern am Kind zu orientieren. Sie bieten geeignete Nahrung an, beobachten die Signale Ihres Babys und respektieren, wenn es nicht weiteressen möchte. Druck, Zwang oder das Erzwingen einer bestimmten Menge gehören nicht dazu.
Hunger- und Interessensignale können sein: Ihr Baby wendet sich der Mahlzeit zu, öffnet den Mund, greift nach Nahrung oder zeigt darauf. Sättigungs- oder Ablehnungssignale sind zum Beispiel das Schließen des Mundes, das Wegdrehen des Kopfes, das Wegschieben der Nahrung, Unruhe oder Spielen mit dem Essen. Wenn Ihr Baby wiederholt deutlich ablehnt, beenden Sie die Mahlzeit. Gehen Sie nicht mit dem Löffel hinterher, überreden Sie nicht und lenken Sie nicht ab, damit doch noch eine bestimmte Menge gegessen wird.
So geht es entspannt weiter
Bieten Sie kleine Portionen an, bevor die übliche Milchmahlzeit folgt, denn kleine Mengen reduzieren den Erwartungsdruck und vermeiden, dass große Portionen ungenutzt bleiben. Ein abgelehntes Lebensmittel dürfen Sie später erneut anbieten, in unterschiedlichen Situationen und mit ausreichend Abstand, denn wiederholtes Sehen, Riechen, Berühren und Probieren kann die Akzeptanz erhöhen.
Variieren Sie Geschmäcker und Konsistenzen schrittweise. Neben püriertem Gemüse können Sie Ihrem Baby auch weiche, gut greifbare Stücke anbieten, sofern die Konsistenz zum Entwicklungsstand passt und Sie beim Essen aufpassen. Berühren, Zerdrücken und Kleckern gehören zum Lernen und sind keine Ablenkung. Ganze Weintrauben, rohe harte Karotten und ähnlich ungeeignete Stücke gehören nicht auf den Teller, weil sie zum Verschlucken führen können.
Wählen Sie einen ruhigen Zeitpunkt für die Mahlzeit. Ein übermüdetes oder sehr hungriges Baby kann eine neue Fähigkeit weniger gut üben. Es gibt keine allgemein gültige Uhrzeit. Probieren Sie aus, wann Ihr Baby am aufnahmefähigsten ist. Rechnen Sie damit, dass der Start nicht linear verläuft. Ein Baby kann an einem Tag neugierig sein und am nächsten Tag kaum etwas essen. Ein einzelner schlechter Esstag bedeutet nicht, dass der Beikoststart gescheitert ist.
Das sollten Sie vermeiden
Füttern Sie nicht weiter, bis der Teller leer ist, wenn Ihr Baby deutlich satt ist. Weiterfüttern gegen die Sättigungssignale widerspricht dem am Kind orientierten Ansatz und belastet die Mahlzeit.
Wechseln Sie nicht ständig das Essen, wenn Ihr Baby einen Geschmack ablehnt. Besser ist ein ruhiges, vielfältiges Angebot über längere Zeit. Das wiederholte Anbieten soll nicht in eine tägliche Konfrontation ausarten, sondern in unterschiedlichen Situationen geschehen.
Leiten Sie aus einer einzelnen Reaktion keine feste Vorliebe ab, denn ein Baby, das ein Gemüse ausspuckt, hat möglicherweise nur die Konsistenz oder den Moment abgelehnt. Essen sollten Sie weder als Belohnung noch als Strafe einsetzen. Die Entscheidung über die verzehrte Menge bleibt beim Kind.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Vorübergehende Ablehnung ist etwas anderes als ein anhaltendes Fütterproblem. Suchen Sie die Kinderarztpraxis auf, wenn Ihr Baby Nahrung hartnäckig verweigert, regelmäßig würgt, Nahrung wieder hochkaut oder erbricht. Das gilt auch, wenn:
- das Füttern über längere Zeit sehr belastend ist,
- eine Mahlzeit regelmäßig länger als etwa 45 Minuten dauert,
- Ihr Baby über einen Monat kaum oder gar nicht zunimmt oder Gewicht verliert,
- es Schwierigkeiten beim Saugen oder Schlucken hat.
Schwere Fütterstörungen betreffen nach Angaben von kindergesundheit-info.de etwa 5 bis 10 Prozent der Kinder. Diese Zahl gilt für Fütterstörungen insgesamt, nicht für einen üblichen, langsamen Beikoststart. Sie müssen sich also nicht beunruhigen, nur weil Ihr Baby die ersten Wochen wenig Brei isst. Wenn Ihr Baby zusätzlich krank wirkt, nicht ausreichend trinkt, wiederholt erbricht oder Anzeichen von Austrocknung zeigt, suchen Sie zeitnah ärztliche Hilfe.
