Wenn Vier- bis Sechsjährige erzählen, was sie in der Kita oder zu Hause brauchen, berichten sie von konkreten Erlebnissen: Freundschaften, Trost und Mitbestimmung. In Studien nennen Kinder immer wieder verlässliche Beziehungen, Zeit, Spiel und Rückzug als wichtige Bedürfnisse. Was ein einzelnes Kind braucht, erfahren Erwachsene, wenn sie zuhören und nachfragen.
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Eine Befragungs-App greift solche Alltagserfahrungen auf und gibt Anlass zum Gespräch. Die Antworten ergeben keine allgemeingültige Wunschliste, denn Kinder unterscheiden sich nach Alter, Lebenslage und Persönlichkeit. Auch die Reaktion der Erwachsenen zählt.
Was die Kita-Befragung zeigt
Eine Ausgabe des Sparda-BW-Kundenmagazins von Januar und Februar 2024 stellte eine Tablet-Befragung für Kinder zwischen vier und sechs Jahren vor. Die Kinder antworten dabei mit einem Daumen nach oben oder unten auf Fragen zu ihrem Kita-Alltag. Es geht unter anderem um Freundschaften, Trost und beliebte pädagogische Fachkräfte. Die Befragung dauert laut dem Beitrag ungefähr zehn Minuten.
Der Anbieter TopKita beschreibt sein Instrument als Befragung mit 18 Fragen aus sechs Themenbereichen. Die Antworten werden ausgewertet und sollen anschließend mit den Kindern besprochen werden. Wenn ein Kind zum Beispiel sagt, es habe keine Freundinnen oder Freunde in der Kita, können Erwachsene mit ihm darüber sprechen und mehr über seine Situation erfahren.
Aus den öffentlich beschriebenen Fragen geht jedoch nicht hervor, welche Antworten Kinder am häufigsten geben. Eine veröffentlichte Gesamtauswertung mit Antwortanteilen liegt in den Angaben zum Instrument nicht vor. Die Befragung zeigt also, wie Kinder nach ihren Erfahrungen gefragt werden können, belegt aber keine allgemeine Rangliste ihrer Wünsche. Der Anbieter schätzt die Entwicklung des Instruments als wissenschaftlich ein. Das ist für sich genommen kein unabhängiger Nachweis dafür, dass die Befragung wirkt.
Freundschaften und Zeit sind Kindern wichtig
In der deutschen Studie Children’s Worlds+ wurden Kinder unterschiedlichen Alters befragt. Zusätzlich fanden 24 Gruppendiskussionen statt. Die Studie untersucht unter anderem Beziehungen, Fürsorge, Beteiligung und Zeit. Sie zeigen, dass Freundschaften für Kinder ein wichtiges Thema sind. Mit zunehmendem Alter finden weniger Kinder, dass sie genug Zeit für Freundinnen und Freunde haben. Die Forschenden verweisen auf mögliche Spannungen zwischen Freundschaftszeit und schulischen Anforderungen.
Das heißt nicht, dass jedes Kind zu wenig Zeit hat. Es zeigt aber, dass Erwachsene den Alltag nicht allein nach ihrem eigenen Zeitplan beurteilen sollten. Fragen wie „Wann siehst du deine Freunde am liebsten?“ oder „Was würdest du gern öfter mit mir machen?“ helfen, konkrete Wünsche zu verstehen. Bei jüngeren Kindern kann es leichter sein, beim Spielen oder gemeinsamen Anschauen des Tages darüber ins Gespräch zu kommen.
Ob Beziehungen Kindern guttun, zeigt sich ebenfalls im Alltag. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die Perspektiven von knapp 200 Kindern aus 13 Kindertageseinrichtungen einbezog, nennt Freundschaften und das Gefühl, durch Freundinnen und Freunde gestärkt und geschützt zu sein. Dazu gehört auch, ob ein Kind sich zurückziehen und ungestört spielen kann. Erwachsene können deshalb beobachten, ob ein Kind Anschluss findet, sich in der Gruppe sicher fühlt und selbst entscheiden darf, wann es mit anderen spielen möchte.
Kinder wollen mitreden
Kinder haben das Recht, ihre Meinung zu Angelegenheiten zu äußern, die sie betreffen. Nach der UN-Kinderrechtskonvention sollen Erwachsene diese Meinung entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen. Damit eine Befragung diesem Anspruch gerecht wird, müssen Kinder auch erfahren, was mit ihren Antworten geschieht.
Im Alltag können Erwachsene das konkret aufgreifen: Wenn Kinder sich mehr Zeit draußen wünschen, besprechen Sie mit ihnen, was sich einrichten lässt. Wenn Erwachsene eine Änderung nicht möglich machen können, sollten sie den Grund verständlich erklären. So erleben Kinder, dass ihre Meinung zählt, auch wenn nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann.
Kinder drücken sich auf unterschiedliche Weise aus. Ein Fragebogen oder eine Ja-Nein-Antwort kann einen ersten Hinweis geben, lässt aber oft offen, warum ein Kind so geantwortet hat. Manche Kinder sprechen lieber. Andere zeigen beim Spielen oder Malen, was ihnen auffällt, oder halten ihre Beobachtungen fotografisch fest. In der Kita-Forschung wurden solche Ausdrucksformen neben Gesprächen genutzt. Geben Sie dem Kind Zeit und fragen Sie offen nach, statt die Antwort vorwegzunehmen: „Was gefällt dir daran?“ oder „Was müsste anders sein?“
Wie Geld Wünsche und Teilhabe prägt
Wünsche nach Dingen und Aktivitäten hängen auch davon ab, was eine Familie bezahlen kann. In Children’s Worlds+ berichteten mehr als die Hälfte der befragten Kinder, sie machten sich immer, oft oder manchmal Sorgen um die finanzielle Lage ihrer Familie. Gleichzeitig waren einzelne Güter weit verbreitet: 97,3 Prozent der Kinder hatten zu Hause Internet, und 96,7 Prozent hatten Geld für Klassenfahrten und Ausflüge. Beides zusammen zeigt, dass ein vorhandenes Gut finanzielle Sorgen nicht ausschließt.
In einer Erhebung zu den Bedürfnissen wurden 2025 junge Menschen zwischen zehn und 15 Jahren befragt. Zusätzlich führten die Forschenden Gespräche mit 16 Kindern. Die Befragten nannten unter anderem Familie und Freundschaften, gemeinsame Zeit, ein Zuhause, Essen, Kleidung sowie Hobbys und Freizeit als wichtige Bedürfnisse. Die Studie beschreibt auch, dass Geldmangel Aktivitäten und Ausflüge erschweren kann. Die Ergebnisse beziehen sich auf ältere Kinder und Jugendliche und lassen sich nicht direkt auf Kita-Kinder übertragen. Sie zeigen, dass Wünsche nach Freizeit und Teilhabe von den Möglichkeiten der Familie abhängen.
In derselben Erhebung waren 45,8 Prozent der Befragten sehr zufrieden mit ihrem Leben, 49,3 Prozent eher zufrieden. 5,0 Prozent waren eher nicht oder gar nicht zufrieden. Die Werte beschreiben die Lebenszufriedenheit der befragten Zehn- bis Fünfzehnjährigen, geben aber keinen Aufschluss über ihre Wünsche oder darüber, ob alle ihre Bedürfnisse erfüllt sind. Auch bei hoher Lebenszufriedenheit können einzelne Sorgen und Benachteiligungen bestehen.
Antworten ernst nehmen
Wenn ein Kind von Ausgrenzung, fehlendem Trost oder zu wenig Zeit erzählt, lohnt sich ein ruhiges Nachfragen. Eine einzelne Antwort erklärt noch nicht die ganze Situation. Fragen Sie nach einem konkreten Beispiel und hören Sie zu, ohne das Kind zu korrigieren oder die Antwort zu bewerten. Bei einer Kita-Befragung sollten Kinder freiwillig teilnehmen und möglichst unbeeinflusst antworten können.
Besprechen Sie anschließend, was sich ändern lässt. Vielleicht braucht ein Kind Unterstützung dabei, Anschluss zu finden. Vielleicht hilft ein ruhiger Rückzugsort oder eine veränderte Gelegenheit zum gemeinsamen Spielen. Wenn sich nichts ändern lässt, erklären Sie warum. Und wenn eine Maßnahme vereinbart wurde, fragen Sie später nach, ob sie dem Kind hilft.
Kinder teilen Bedürfnisse, ihre konkreten Wünsche unterscheiden sich jedoch. Erwachsene tragen zugleich Verantwortung für Schutz, Gesundheit und faire Möglichkeiten. Erwachsene sollten einen Wunsch ernst nehmen und prüfen, ohne ihn automatisch erfüllen zu müssen. Sie sollten dem Kind verständlich antworten und es an der Suche nach einer Lösung beteiligen.
