Beziehungsproblem Distanzierung: Ich bin dann mal weg

So deutlich kommen im wirklichen Leben leider die wenigsten Ansagen, wenn Männer auf Distanz zu ihren Partnerinnen gehen. In der Regel ist die Distanzierung auch nicht räumlicher sondern emotionaler Natur. Emotionen können aber über längere Zeit unterdrückt und für den Partner nicht sichtbar oder spürbar werden. Dieser Prozess kann bewusst gesteuert werden – z.B. beim Seitensprung – oder unbewusst ablaufen. Die unbewusste Distanzierung ist in der Regel der Fall, wenn sich der auf Distanz gehende Partner selbst noch gar nicht richtig im Klaren über seine Gefühle ist.

Alles im richtigem Maß

Emotionale Distanzierung bedeutet, den sozialen Abstand zu einer Person oder Tat zu vergrößern. Dies tun wir immer dann, wenn wir mit der Person oder der Handlung in Konflikt geraten und uns nicht damit identifizieren können. Eine emotionale Distanzierung erlaubt eine objektivere Beurteilung der Realität – die notwendige Voraussetzung für das Entscheiden wichtiger Fragestellungen.

Das Gegenteil von emotionaler Distanz ist das emotionale Engagement. Je stärker sich jemand mit einer Person, Problematik, Handlung identifiziert, desto stärker wird er sich dafür einsetzen. Dies kann so weit gehen, dass sämtliche Energien in diese emotionale Bindung fließen und der Blick auf die Realität stark verzerrt wird.

Gerade diese verstärkte emotionale Bindung kann die Ursache für die plötzliche (oder schleichende) Distanzierung von Männern gegenüber ihren Frauen sein. Wo vor einigen Monaten noch ein ungezwungenes Miteinander an der Tagesordnung war, wird das Zusammenleben mit einem Mal von hohen Erwartungen, Verlustängsten und Selbstaufgabe der Frauen geprägt.

Die Stufen auf dem Weg zur langfristigen Bindung

In einer Beziehung durchlaufen Männer normalerweise drei Phasen, eine Trennung wäre Phase vier. Die erste Phase ist die Anziehungsphase. Männer reagieren meist bis zu vier Monate euphorisch auf die neue Frau in ihrem Leben. Der Jagdinstinkt ist noch aktiv, alles ist spannend, die neue Liebe wird umsorgt und mit verstärkter Aufmerksamkeit bedacht.

In der zweiten Phase ist diese große Euphorie vorbei. Männer gehen auf Distanz, werden unverbindlicher, nehmen wieder eigene Interessen war. Diese Entwicklungsstufe kann unterschiedlich lang anhalten und stellt normalerweise kein Problem dar. Kritisch wird es erst, wenn die Partnerinnen mit diesem plötzlichen Rückzug nicht umgehen können. Sie versuchen zu schnell, ihre Männer in die dritte Phase, die Bindungsphase, zu drängen.

Die Folgen sind Flucht der Männer und emotionale Verzweiflung und Abhängigkeit der Frauen. Die Flucht der Männer äußert sich zum Beispiel in:

  • Weniger gemeinsam verbrachter Zeit
  • Zeitintensiven Hobbies
  • Gemeinsamer Zeit mit Kollegen und Kumpeln
  • Gedankliche Abwesenheit beim Zusammensein
  • Nachlassendem sexuellen Interesse

Halten durch Loslassen

Wenn Frau jetzt mit noch mehr Klammern, Drängen und Schuldgefühlen reagiert, wird der Effekt beim Mann immer weiter verstärkt. Je mehr verzweifelte Selbstaufgabe auf der einen Seite, desto mehr Rückzug auf der anderen. Das Gleichgewicht in der Beziehung ist aus den Fugen geraten, aus zwei Gleichberechtigten ist ein dominanter und ein untergebener Partner geworden. Der Dominante vermisst die starke Partnerin, in die er sich verliebt hat. An Stelle der selbstbewussten, unabhängigen Frau lebt eine schwache, abhängige Frau an seiner Seite, die etwas möchte, was er nicht zu geben bereit ist.

Der einzige Weg, ihn langfristig zu halten, ist daher loslassen. Frau muss Mann zeigen, dass sie ihn nicht braucht, dass sie stark und unabhängig ist, dass sie Zeit hat. Männer brauchen einen gewissen Freiraum, um ohne Druck und Zwang an den Punkt zu kommen, an dem sie von sich aus bereit für den nächsten Schritt sind. Frauen sollten ihr Selbstbewusstsein bewahren und sich nicht für ihren Partner aufopfern. In der Realität fällt es viele Frauen allerdings schwer, nicht mehr von ihren Männern zu wollen, als diese geben können. Verschiedene Lösungsansätze, helfen dabei, sich tiefgehender mit der Problematik auseinanderzusetzen. Auch Frauen durchlaufen Phasen in Beziehungen, kommen in der Regel aber eher an den Punkt der Bindungsbereitschaft. Dann ist seitens Frau viel Einfühlungsvermögen und Verständnis nötig, um zu erkennen, wie viel Distanz des Partners normal und unbedenklich ist und ab wann die Distanzierung kritische Ausmaße annimmt. Je mehr Frau allerdings sie selbst bleibt, desto besser stehen die Chancen, dass Mann sie als Partnerin akzeptiert und die Beziehung langfristig hält.

Weiterführendes:

Bild: bigstockphoto.com / by Kasia Bialasiewicz

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