Wer schwanger werden möchte, muss den Eisprung kennen. Der Eisprung ist der Moment, in dem ein Eibläschen eine Eizelle freigibt. Die Eizelle bleibt nur etwa einen Tag befruchtungsfähig, Spermien überleben im Körper der Frau mehrere Tage. Deshalb beginnt die fruchtbare Zeit schon vor dem Eisprung.
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Der Zeitpunkt des Eisprungs ist von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus unterschiedlich, auch bei regelmäßigen Zyklen. Drei Methoden helfen, den Zeitpunkt des Eisprungs einzugrenzen: die Temperaturmethode, die Beobachtung des Zervixschleims und Ovulationstests. Sie beantworten unterschiedliche Fragen und lassen sich kombinieren.
Das fruchtbare Fenster
Das fruchtbare Fenster umfasst etwa sechs Tage: die fünf Tage vor dem Eisprung und den Eisprungtag selbst. Die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft besteht, wenn Sie in den ein bis zwei Tagen vor dem Eisprung Geschlechtsverkehr haben. Einen festen Kalendertag können Sie daraus nicht ableiten. Selbst bei scheinbar regelmäßigen Zyklen verschiebt sich der Eisprung gelegentlich. Kalenderberechnungen und Apps dienen deshalb nur als grobe Orientierung.
Temperaturmethode richtig anwenden
Die Temperaturmethode misst die Aufwachtemperatur. Nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur durch das Hormon Progesteron leicht an. Sie messen morgens direkt nach dem Aufwachen, noch bevor Sie aufstehen, essen oder trinken. Messen Sie möglichst immer an derselben Körperstelle, zum Beispiel im Mund, in der Vagina oder im After. Vaginale oder rektale Messungen gelten als zuverlässiger.
Sie werten einen Temperaturanstieg aus, wenn die Temperatur an drei aufeinanderfolgenden Tagen mindestens 0,2 Grad Celsius über den sechs vorangegangenen Werten liegt. Damit bestätigen Sie den Eisprung rückblickend. Die Methode sagt den Eisprung nicht voraus, weil die Temperatur erst um den Eisprung herum oder danach ansteigt.
Störfaktoren wie Fieber, zu kurzer Schlaf, Schichtarbeit oder Jetlag verfälschen die Messung. Markieren Sie solche Tage in Ihrem Zyklusprotokoll. Wenn Sie morgens nicht regelmäßig messen können, ist die Temperaturmethode allein wenig geeignet.
Zervixschleim beobachten
Der Zervixschleim verändert sich im Zyklusverlauf. Vor dem Eisprung wird er feuchter, klarer, dünnflüssiger und dehnbarer. Er kann zwischen den Fingern Fäden ziehen und an rohes Eiweiß erinnern. Diese Beschaffenheit erleichtert Spermien den Weg durch den Gebärmutterhals. Nach dem Eisprung wird der Schleim wieder zäher, weißlicher und weniger auffällig.
Neben dem Aussehen hilft das Körpergefühl: Viele Frauen bemerken am Scheideneingang einen Wechsel von trocken zu feucht oder von klebrig zu gleitfähig. Die Beobachtung kostet nichts und zeigt die fruchtbare Phase oft früh an. Sie braucht aber etwas Übung. Infektionen, Samenflüssigkeit nach dem Geschlechtsverkehr, Gleitmittel oder bestimmte Medikamente können das Erscheinungsbild verändern und die Beurteilung erschweren.
Ovulationstests richtig einsetzen
Ovulationstests messen das luteinisierende Hormon, kurz LH, im Urin. Vor dem Eisprung steigt LH typischerweise an. Ein positives Testergebnis deutet darauf hin, dass der Eisprung in etwa 24 bis 36 Stunden bevorsteht. Testen Sie regelmäßig, am besten zur gleichen Tageszeit, und beginnen Sie einige Tage vor dem erwarteten Eisprung.
Ein positiver Test ist keine Garantie, dass der Eisprung tatsächlich stattfindet. Manche Zyklen zeigen mehrere LH-Anstiege, manche Frauen haben individuell unterschiedliche LH-Spiegel. Ein negatives Ergebnis kann bedeuten, dass der Anstieg noch nicht erfolgt ist oder dass Sie ihn verpasst haben. Bei sehr unregelmäßigen Zyklen ist der richtige Testbeginn schwer zu finden.
Die Methoden kombinieren
Die drei Methoden beantworten unterschiedliche Fragen. Der Zervixschleim zeigt den Beginn der fruchtbaren Phase an, der Ovulationstest grenzt den bevorstehenden Eisprung ein, und die Temperatur bestätigt den Eisprung rückblickend. Wer mehrere Zeichen kombiniert, erhält die belastbarste Orientierung.
Die Kombination aus Temperatur und Zervixschleim heißt symptothermale Methode. Sie beobachten morgens die Temperatur und tagsüber den Schleim. Der Schleim zeigt an, wann die fruchtbare Phase beginnt, die Temperatur bestätigt später, dass der Eisprung stattgefunden hat. Diese doppelte Kontrolle gilt als besonders zuverlässig, erfordert aber tägliche Beobachtung und etwas Übung.
Apps und Rechner als Orientierung
Eisprungrechner und Kalender-Apps berechnen den Eisprung aus vergangenen Zykluslängen. Bei stark schwankenden Zyklen können sie danebenliegen. Eine Untersuchung mit 949 Frauen verglich verschiedene Kalender-Apps mit Urin-LH-Tests. Die beste App erreichte bei der Vorhersage des tatsächlichen Eisprungtags nur eine Genauigkeit von 21 Prozent. Nutzen Sie Apps daher als Dokumentationshilfe, in der Sie Temperatur und Schleimbeobachtungen eintragen, und verlassen Sie sich nicht auf die automatische Prognose.
Tipps bei Kinderwunsch
Bei Kinderwunsch müssen Sie nicht den exakten Eisprungtag treffen. Regelmäßiger Geschlechtsverkehr während des fruchtbaren Fensters ist der praktischere Ansatz. Fachgesellschaften empfehlen, während dieser sechs Tage alle ein bis zwei Tage Geschlechtsverkehr zu haben. Zwei- bis dreimal pro Woche ist möglicherweise fast ebenso gut. Eine bewusste Einschränkung der Häufigkeit ist nicht nötig.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Wenn Sie unter 35 Jahre alt sind und seit etwa zwölf Monaten regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr ohne Schwangerschaft haben, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Ab 35 Jahren sollten Sie bereits nach etwa sechs Monaten ärztlichen Rat einholen. Früher ist ein Termin ratsam, wenn Sie sehr unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen, starke Schmerzen oder bekannte hormonelle Erkrankungen haben.
