Geburtsvorbereitung zu Hause heißt, die praktischen Dinge vor der Geburt zu regeln: eine Hebamme finden, den Geburtsort wählen, die Kliniktasche packen und eigene Wünsche für die Geburt aufschreiben. Dazu kommen Bewegung, Beckenbodentraining und Entspannungsübungen. Ziel ist, dass Sie wissen, was zu tun ist, und ruhig reagieren können, wenn es losgeht.
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Gute Vorbereitung zu Hause ersetzt weder die Betreuung durch Hebamme, Ärztin oder Arzt noch einen Geburtsvorbereitungskurs. Sie ergänzt beides. Wichtig ist, flexibel zu bleiben, denn eine Geburt verläuft selten exakt nach Plan.
Hebamme und Geburtsort früh klären
Suchen Sie die Hebamme möglichst früh in der Schwangerschaft, denn freie Kapazitäten sind begrenzt. Die Hebamme berät während der Schwangerschaft, bereitet auf die Geburt vor und übernimmt später die Betreuung in den ersten Wochen nach der Geburt (Wochenbett). Für eine Hausgeburt oder eine Begleitung durch eine Beleghebamme, also eine Hebamme, die Sie in der Klinik begleitet, ist eine besonders frühe Kontaktaufnahme sinnvoll.
Halten Sie bei der Suche Ihren Wohnort und den voraussichtlichen Geburtstermin bereit. Kontaktieren Sie mehrere Hebammenpraxen oder Hebammenlisten und fragen Sie nach Vorsorge, Geburtsbegleitung, Wochenbettbetreuung und Erreichbarkeit. Bei einer geplanten Hausgeburt klären Sie früh, ob die Schwangerschaft aus medizinischer Sicht dafür geeignet ist.
Danach wählen Sie den Geburtsort. In Deutschland können Sie grundsätzlich zwischen Klinik, Geburtshaus und Hausgeburt wählen. Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab: von medizinischen Risiken, Ihrem Sicherheitsgefühl und der Entfernung. Auch die gewünschte Betreuung und die verfügbaren Schmerzmittel spielen eine Rolle. Zur Einordnung: Etwa 98 von 100 Geburten in Deutschland finden in einer Klinik statt, etwa 1 von 100 zu Hause und etwa 1 von 100 in einem Geburtshaus. Diese Zahlen stammen von familienplanung.de mit Stand Januar 2024 und sind keine aktuelle Jahresstatistik.
Für die Entscheidung hilft eine Reihe von Fragen: Wie weit sind Klinik oder Geburtshaus entfernt? Welche Schmerzmittel und Gebärpositionen werden angeboten? Gibt es eine Kreißsaalbesichtigung? Wie viele Begleitpersonen sind erlaubt? Ist eine ambulante Geburt möglich, also die Rückkehr nach Hause am selben Tag? Welche Unterlagen werden zur Anmeldung benötigt? Und was passiert bei einer Verlegung oder einem Kaiserschnitt?
Die Anmeldung in der Klinik ist nicht zwingend verbindlich. Für ein Geburtshaus oder eine Beleghebamme kann dagegen eine frühe Anmeldung erforderlich sein.
Legen Sie außerdem einen einfachen Notfallplan an, der zu Hause sichtbar bereitliegt. Dazu gehören die Telefonnummern von Klinik und Hebamme, die Adresse und der geplante Fahrtweg sowie eine alternative Fahrmöglichkeit. Wichtige Dokumente und die Nummern der Begleitperson und weiterer Vertrauenspersonen sollten ebenfalls bereitliegen. Auch die Betreuung für ältere Geschwister und Haustiere gehört in den Notfallplan. Bei einer geplanten Hausgeburt wählen Sie zusätzlich eine Klinik aus und kontaktieren sie möglichst vorab, denn eine Verlegung lässt sich nicht vollständig ausschließen. Zur Einordnung: familienplanung.de nennt eine Verlegung bei etwa drei von zehn Frauen beim ersten Kind und bei etwa einer von zehn Frauen bei weiteren Kindern. Diese Zahlen sind keine individuelle Prognose.
Kliniktasche rechtzeitig packen
Packen Sie die Kliniktasche einige Wochen vor dem errechneten Termin. Das gilt auch bei geplanter Hausgeburt oder ambulanter Geburt, weil sich die Situation ändern kann. Auch für diese Familien sollte eine Tasche für Notfälle bereitstehen.
Bewährt hat es sich, zwei Taschen zu packen. In die kleine Tasche für den Kreißsaal kommen Dokumente, Handy, Ladekabel, Getränke, Snacks und Kleidung für die Geburt. Die größere Tasche für den Aufenthalt enthält Kleidung, Pflegeprodukte und Dinge für die Zeit nach der Geburt. So müssen Sie bei der Ankunft nicht in einem großen Koffer suchen.
Dokumente
- Mutterpass
- Personalausweis oder Reisepass
- Krankenversicherungskarte
- Einweisung oder Unterlagen der Klinik, falls vorhanden
- wichtige medizinische Befunde
- Geburtsplan beziehungsweise Geburtswünsche
Für die Geburt
- bequeme, lockere Kleidung
- längere T-Shirts oder ein Nachthemd
- warme Socken und Hausschuhe
- Haargummi, Brille oder Hörgerät samt Etui
- Handy und Ladekabel
- Snacks und Getränke, sofern die Klinik sie erlaubt
- persönliche Dinge zur Entspannung, etwa Musik oder Massageöl
Für den Aufenthalt
- Schlafkleidung und bequeme Kleidung für die Zeit nach der Geburt
- Still-BH und bei Bedarf Stilleinlagen
- Körperpflegeprodukte, Bademantel und ausreichend Unterwäsche
- Handtücher, falls die Klinik keine bereitstellt
Für das Baby
- Kleidung in passender Größe, etwa Body und Strampler
- Socken und eine Mütze für den Heimweg
- Decke und eine Windel für den Heimweg
- passende Kleidung für die Jahreszeit
Die konkrete Ausstattung unterscheidet sich von Klinik zu Klinik. Fragen Sie vorher nach, was gestellt wird, insbesondere Windeln, Handtücher, Einlagen für die Zeit nach der Geburt und Babykleidung.
Geburtsplan als Orientierung
Ein Geburtsplan hilft, Ihre Wünsche zu sortieren und mit der Begleitperson, der Hebamme und der Klinik zu besprechen. Er ist eine Sammlung von Geburtswünschen und Prioritäten, kein Vertrag und keine Garantie für einen bestimmten Ablauf. Eine Geburt lässt sich nicht vollständig planen, und unerwartete Situationen können Änderungen erforderlich machen.
Überlegen Sie frühzeitig, was Ihnen wichtig ist. Zur persönlichen Situation gehören Ihr Name, der errechnete Termin, relevante Vorerkrankungen, bisherige Geburtserfahrungen, besondere Ängste sowie kulturelle, sprachliche oder persönliche Bedürfnisse. Zur Begleitung gehört, wer bei der Geburt dabei sein soll, wer die Kommunikation übernimmt, wenn Sie gerade nicht sprechen möchten, und wer sich um Geschwister oder Haustiere kümmert.
Für die Zeit der Wehen können Sie Wünsche zu Bewegung und Positionswechsel, zu Wärme, Dusche oder Badewanne, zu Massage und Musik festhalten. Zu Trink- und Essensmöglichkeiten notieren Sie, was nach den Regeln der Einrichtung möglich ist. Zur Schmerzlinderung gehört, ob Sie zunächst Methoden ohne Medikamente ausprobieren möchten und ob Sie für Schmerzmittel offen sind. Überlegen Sie außerdem, welche Fragen Sie zur PDA, also der Betäubung im Rücken, haben und wie Sie über Eingriffe informiert werden möchten.
Auch für den Fall, dass die Geburt anders verläuft, lohnt sich ein Absatz. Notieren Sie dort Wünsche bei einer Einleitung, also dem künstlichen Anregen der Wehen, und den Umgang mit unterstützenden Maßnahmen. Ergänzen Sie Prioritäten bei einem Kaiserschnitt, Hautkontakt nach der Geburt, sofern medizinisch möglich, und die Begleitung im Operationssaal, soweit erlaubt.
Besprechen Sie den Geburtsplan vor dem errechneten Termin mit der Hebamme oder dem Klinikteam. Er dient als Gesprächsgrundlage und Orientierung, nicht als verbindliche Vorgabe.
Körperliche Vorbereitung zu Hause
Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft ist regelmäßige, geeignete Bewegung sinnvoll. Als allgemeine Orientierung gelten mindestens 30 Minuten körperliche Aktivität an mindestens fünf Tagen pro Woche, sofern Ihre individuelle Situation nichts dagegen spricht. Die Belastung sollte so gewählt sein, dass Sie sich dabei noch unterhalten können. Geeignet sind Spaziergänge, Schwimmen, leichtes Radfahren, sofern sicher, und schwangerschaftsgerechtes Yoga. Auch sanfte Bewegungsübungen und Übungen aus einem qualifizierten Geburtsvorbereitungskurs sind möglich. Bei einer Risikoschwangerschaft, Blutungen, vorzeitigen Wehen, Vorerkrankungen oder anderen Beschwerden stimmen Sie die Belastung mit Ärztin, Arzt oder Hebamme ab.
Beckenbodentraining hilft, die Muskulatur bewusst wahrzunehmen und Beschwerden wie ungewolltem Urinverlust vorzubeugen. Trainieren Sie den Beckenboden gezielt und lernen Sie zugleich seine Entspannung, denn für die Geburt sind nicht nur Anspannung, sondern auch Loslassen und ein gutes Körpergefühl wichtig. Üben Sie kurz und regelmäßig statt selten und sehr intensiv, wechseln Sie Anspannen und bewusstes Entspannen ab, halten Sie nicht die Luft an und holen Sie sich bei Schmerzen oder Unsicherheit fachliche Anleitung.
Ab etwa vier bis sechs Wochen vor der Geburt kann eine Dammmassage die Dehnfähigkeit des Gewebes verbessern und insbesondere bei Frauen, die zum ersten Mal gebären, das Risiko senken, dass der Damm einreißt und genäht werden muss oder dass ein Dammschnitt nötig wird. Der Damm ist das Gewebe zwischen Scheide und After. Sie ist keine Garantie für eine verletzungsfreie Geburt. Lassen Sie sich die Technik bei Unsicherheit von der Hebamme oder Ärztin beziehungsweise dem Arzt erklären. Bei Beschwerden, Infektionen, Blutungen oder vorzeitigen Wehen machen Sie nicht eigenständig weiter, sondern holen Sie medizinischen Rat ein.
Geburtsvorbereitungskurse vermitteln Atem- und Entspannungstechniken, verschiedene Geburtspositionen und den Umgang mit Wehen. Diese Übungen können Sie zu Hause wiederholen. Praktisch umsetzbar sind ein langsames Ausatmen während einer Anspannung, das bewusste Lockern von Schultern und Kiefer, das Ausprobieren verschiedener Positionen sowie Wärme, Musik oder gedämpftes Licht. Bauen Sie kurze Entspannungseinheiten in den Alltag ein. Wichtig ist, Entspannung nicht als Pflicht oder Leistung zu formulieren. Angst, Schmerzen und Anspannung lassen sich nicht immer durch Atemübungen kontrollieren. Yoga, Achtsamkeit, Selbsthypnose, Massage und Entspannungsübungen können ergänzend helfen. Diese Zusatzangebote werden häufig selbst bezahlt und ersetzen keinen vollständigen Geburtsvorbereitungskurs.
Die Begleitperson einbeziehen
Die Begleitperson sollte nicht nur wissen, wann es losgeht, sondern auch, wie sie konkret unterstützen kann. Gehen Sie den Geburtsplan gemeinsam durch, speichern Sie Telefonnummern und Fahrtweg, und legen Sie fest, wo Dokumente und Kliniktasche liegen. Probieren Sie Massage oder Gegenlagerung (Druck auf den Rücken) aus, üben Sie ruhige und klare Kommunikation, und klären Sie, wann die Hebamme oder die Klinik angerufen wird. Besprechen Sie auch, wann die Begleitperson Entscheidungen stellvertretend kommunizieren soll.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Begleitperson nach Wahl während der gesamten Geburt. Diese Empfehlung ist international und nicht auf deutsche Klinikregeln zugeschnitten; vor Ort können Hausordnungen oder Platzbeschränkungen gelten. Die WHO begründet die Empfehlung mit emotionaler, praktischer und kommunikativer Unterstützung.
Zeitplan für die letzten Wochen
In der Frühschwangerschaft lohnt es sich, die Hebamme zu suchen und den Geburtsort auszuwählen, denn bei einem Geburtshaus oder einer Beleghebamme ist eine frühe Anmeldung oft nötig. Auch ein Geburtsvorbereitungskurs sollte frühzeitig recherchiert werden, weil die Plätze begrenzt sind. Medizinische Besonderheiten besprechen Sie mit der betreuenden Praxis, und Fragen zu Arbeit und Mutterschutz klären Sie am besten früh.
Im letzten Schwangerschaftsdrittel beginnen oder schließen Sie den Geburtsvorbereitungskurs ab, besichtigen Klinik oder Geburtshaus und notieren Ihre Geburtswünsche. Für gesetzlich Versicherte werden Gruppenkurse im Umfang von 14 Stunden grundsätzlich erstattet. Ob die Kosten für die Begleitperson übernommen werden, klären Sie bei Ihrer Krankenkasse. Privat Versicherte können andere Bedingungen haben. In dieser Zeit beziehen Sie die Begleitperson ein und planen Fahrtweg und Kinderbetreuung. Außerdem vervollständigen Sie die erste Babyausstattung und organisieren die Wochenbettunterstützung.
Etwa vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Termin packen Sie die Kliniktasche, legen die Notfalltasche auch bei geplanter Hausgeburt bereit und beginnen gegebenenfalls mit der Dammmassage. Wichtige Telefonnummern liegen sichtbar, Vorräte für die erste Zeit zu Hause werden angelegt, und der Geburtsplan wird mit Hebamme oder Klinik besprochen.
Kurz vor dem Termin halten Sie Handy und Ladekabel bereit, organisieren die Tankfüllung oder den Transport und bestätigen die Betreuung für ältere Kinder und Haustiere. Die Unterlagen liegen griffbereit, die Wünsche werden noch einmal mit der Begleitperson besprochen. Bleiben Sie bewusst offen, falls medizinische Änderungen notwendig werden.
