Der Mutterpass ist das persönliche Dokument Ihrer Schwangerschaft. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme legt ihn bei der ersten Vorsorgeuntersuchung an und trägt bei jedem Termin ein, was für Ihre Gesundheit und die Entwicklung Ihres Kindes wichtig ist.
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Das Heft sammelt Befunde, Untersuchungsergebnisse und Risikohinweise, damit das Behandlungsteam den Verlauf auch in einer anderen Praxis oder im Krankenhaus schnell überblickt. Der Mutterpass dient nicht zur Selbstdiagnose: Die Einträge sind nur im Zusammenhang mit dem gesamten Verlauf zu verstehen und gehören in ein Gespräch mit der behandelnden Fachperson.
Was der Mutterpass ist
Der Mutterpass wird bei der ersten Schwangerschaftsvorsorge ausgestellt, meist in dem Moment, in dem die Schwangerschaft festgestellt wird. Er begleitet Sie durch die gesamte Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit danach. Die Vorsorgeuntersuchungen sind freiwillig. Für gesetzlich Versicherte werden sie in den ersten Monaten üblicherweise alle vier Wochen angeboten, ab der 32. Schwangerschaftswoche alle zwei Wochen. Bei Risiken oder Beschwerden können häufigere Termine dazukommen.
Den Mutterpass gibt es als gedrucktes Heft und inzwischen auch als elektronische Version, den E-Mutterpass. Beide enthalten dieselben Informationen. Die Seitenzahlen in diesem Artikel beziehen sich auf das gedruckte Heft, das einer bundesweit einheitlichen Vorlage folgt. Je nach Ausgabe können die Seiten etwas anders angeordnet sein, die Inhalte bleiben aber gleich.
Die wichtigsten Seiten im Heft
Nicht jede Seite ist bei jeder Schwangerschaft ausgefüllt. Einige Seiten sind für besondere Situationen oder zusätzliche Untersuchungen vorgesehen, die nicht bei jeder Frau vorkommen. Eine leere Zeile ist deshalb kein Versäumnis.
Laborwerte und Blutgruppe
Auf den Seiten 2 bis 4 stehen Laborbefunde: Ihre Blutgruppe, Antikörper- und Röteln-Schutz, Chlamydien- und Hepatitis-B-Befunde sowie Impfvermerke. Bei einigen Tests wird auf Seite 4 nur vermerkt, dass sie durchgeführt wurden, nicht das Ergebnis. Das betrifft zum Beispiel den HIV- und den Syphilis-Test. Ein Eintrag auf diesen Seiten bedeutet nicht automatisch, dass etwas problematisch ist. Entscheidend sind der konkrete Befund, der Kontext und die ärztliche Einordnung.
Vorgeschichte und Risiken
Auf den Seiten 5 und 6 steht, was für die Schwangerschaft von Anfang an wichtig ist: frühere Schwangerschaften und Geburten, Erkrankungen, familiäre Belastungen, Allergien, Medikamente sowie körperliche, psychische oder soziale Belastungen. Außerdem finden sich hier Risikokataloge, mit denen das Behandlungsteam Besonderheiten früh berücksichtigen kann. Die Angaben helfen, mögliche Risiken im Blick zu behalten, ohne dass ein angekreuztes Feld eine Diagnose bedeutet.
Das Gravidogramm
Auf den Seiten 7 und 8 wird der Schwangerschaftsverlauf fortlaufend festgehalten. Bei jedem Vorsorgetermin trägt die behandelnde Person hier ein, was sich verändert hat: die Schwangerschaftswoche, den Stand der Gebärmutter, die Lage des Kindes, Herztöne, Kindsbewegungen, Ihr Gewicht, den Blutdruck, den Hämoglobinwert und die Urinbefunde. Diese Seite zeigt auf einen Blick, wie sich die Schwangerschaft entwickelt. Die Einträge sind Fachkürzel, die Sie nicht als eigenständige Diagnosen lesen sollten.
Ultraschall und Kontrollen
Auf den Seiten 10 bis 14 werden die Ultraschalluntersuchungen festgehalten. Bei den drei regulären Screenings um die 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche werden das Schwangerschaftsalter, kindliche Messwerte und die Entwicklung festgehalten. Ein Teil dieser Seiten ist für zusätzliche Kontrollen vorgesehen, die bei bestimmten Anlässen dazukommen. Nicht jedes Feld muss bei jeder Schwangeren ausgefüllt sein.
Geburt und Wochenbett
Die letzten Seiten des Hefts betreffen die Zeit nach der Schwangerschaft. Hier werden die Geburt, das Wochenbett, Angaben zum Kind und die Nachuntersuchung nach der Geburt zusammengefasst. Dazu gehören auch die Apgar-Werte, die nach der Geburt erhoben werden und im Mutterpass unter anderem nach fünf und zehn Minuten vorgesehen sind. Die zweite Nachuntersuchung ist ungefähr für die 6. bis spätestens 8. Woche nach der Geburt vorgesehen.
Die wichtigsten Abkürzungen
Im Mutterpass stehen viele Kürzel, die auf den ersten Blick kryptisch wirken. Die wichtigsten:
- SSW 20+3 bedeutet 20 vollendete Wochen und 3 Tage. Die Schwangere befindet sich am dritten Tag der 21. Schwangerschaftswoche.
- Gravida zählt alle Schwangerschaften, auch Fehlgeburten oder Abbrüche. Para beschreibt die Zahl der Geburten.
- Fundusstand bezeichnet den tastbaren oberen Rand der Gebärmutter. Die Kürzel S, N oder Rb beziehen sich auf Schambein, Nabel oder Rippenbogen.
- SL, BEL und QL stehen für Schädellage, Beckenendlage und Querlage. Die Lage kann sich im Verlauf verändern und wird besonders zum Ende der Schwangerschaft wichtig.
- RR ist der Blutdruck, Hb der Hämoglobinwert, der unter anderem Hinweise auf eine Blutarmut geben kann.
- Bei den Ultraschallmessungen stehen Kürzel wie SSL, BPD oder ATD für unterschiedliche Messwerte. Ihre Bedeutung hängt von der Schwangerschaftswoche und der ärztlichen Bewertung ab.
Den Pass zu jedem Termin mitnehmen
Der Mutterpass gehört zu jedem Vorsorgetermin, zu anderen ärztlichen Untersuchungen, zur Geburt und zur Nachsorge. Der Grund ist einfach: Er führt die wichtigsten Befunde und Angaben zum bisherigen Verlauf an einem Ort zusammen. So kann das Behandlungsteam Informationen schneller überblicken, besonders wenn Sie nicht in Ihrer üblichen Praxis oder bei Ihrer bekannten Hebamme untersucht werden. Auch in einem medizinischen Notfall sind die Angaben relevant.
Der Mutterpass ist ein persönliches Dokument mit sensiblen Gesundheitsinformationen. Sie entscheiden selbst, wem Sie Einblick geben, auch wenn das Behandlungsteam den Pass für die Versorgung braucht.
Was Sie nicht selbst bewerten sollten
Ein auffälliger Wert oder ein angekreuztes Feld bedeutet nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Abweichungen können verschiedene Ursachen haben und werden gegebenenfalls kontrolliert. Die Bedeutung eines Eintrags hängt vom konkreten Befund und vom Verlauf ab. Deshalb gehören alle Fragen zu Ihrem Mutterpass in das Gespräch mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.
Auch die Vollständigkeit des Hefts sollten Sie nicht selbst beurteilen. Manche Seiten dienen nur besonderen Situationen oder zusätzlichen Untersuchungen. Und nicht jedes Testergebnis wird im Pass festgehalten. Zusätzliche Tests auf Toxoplasmose, Zytomegalie, Listeriose oder Streptokokken gehören nicht automatisch zum Standardprogramm. Ohne konkreten Verdacht können sie als Selbstzahlerleistungen angeboten werden.
