Mutterpass verstehen

Der Mutterpass hält Vorsorgeuntersuchungen und den Verlauf Ihrer Schwangerschaft fest. Dort tragen Ärztinnen, Ärzte und Hebammen frühere Erkrankungen und Untersuchungsergebnisse ein. Auch wichtige Befunde zum Kind halten sie dort fest. So können sie Veränderungen einordnen und bei der Geburt auf wichtige Angaben zugreifen.

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Abkürzungen, Messwerte und Kreuze bedeuten für sich allein nicht, dass eine Erkrankung vorliegt oder die Schwangerschaft gefährdet ist. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme beurteilt jeden Befund im Zusammenhang mit den übrigen Untersuchungsergebnissen.

Wozu der Mutterpass dient

Der Mutterpass begleitet Sie durch die Vorsorge, die Geburt und das Wochenbett. Nehmen Sie ihn zu Vorsorgeterminen und ärztlichen Untersuchungen mit, ebenso zur Geburt. Sie entscheiden, wer Ihr persönliches Dokument einsehen darf.

In Deutschland ist der Pass sowohl auf Papier als auch elektronisch verfügbar. Beide halten die Schwangerschaft fest. Damit keine Einträge fehlen, empfiehlt die Mutterschafts-Richtlinie, während der Schwangerschaft möglichst dieselbe Form zu verwenden.

Der Mutterpass dokumentiert medizinische Befunde; für eine Selbstdiagnose ist er nicht gedacht. Wenn ein Eintrag unklar ist, fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme, was untersucht wurde und ob eine Kontrolle nötig ist.

Was die ersten Seiten festhalten

Zu Beginn stehen Angaben zu Ihrer Person, Ihrer medizinischen Vorgeschichte und früheren Schwangerschaften. Dazu zählen zum Beispiel frühere Geburten und Fehlgeburten, Kaiserschnitte sowie bekannte Erkrankungen. Auch familiäre oder soziale Belastungen können erfasst werden. So lässt sich die Vorsorge an Ihre Situation anpassen.

Ein Kreuz in einem Risikofeld ist allein keine Diagnose und führt nicht automatisch dazu, dass Ihre Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wird. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme beurteilt, ob ein Eintrag zusätzliche Untersuchungen oder häufigere Termine erfordert.

Auf den Laborseiten stehen unter anderem Blutgruppe und Rhesus-D-Status. Dort finden Sie auch Ergebnisse bestimmter Untersuchungen. Ein Antikörpersuchtest prüft, ob sich im Blut Abwehrstoffe befinden, die für die Schwangerschaft bedeutsam sein können. Ein positives Ergebnis muss genauer eingeordnet werden; der Eintrag allein sagt noch nicht, welche Maßnahmen nötig sind.

Wenn Sie Rhesus-D-negativ sind, hängt das weitere Vorgehen auch davon ab, ob Ihr Kind Rhesus-D-positiv ist oder nicht sicher als Rhesus-D-negativ gilt. Klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was Ihr Befund in Ihrer Situation bedeutet.

Im Pass ist nicht bei jedem Test auch das Ergebnis eingetragen. Beim Syphilis- und HIV-Test kann dort beispielsweise nur vermerkt sein, dass der Test durchgeführt wurde. Ein fehlendes Ergebnis im Mutterpass erlaubt daher keinen Rückschluss darauf, ob der Test positiv oder negativ war.

So lesen Sie das Gravidogramm

Das Gravidogramm ist die Tabelle für wiederkehrende Befunde während der Vorsorge. Dort stehen unter anderem die Schwangerschaftswoche sowie Blutdruck und Gewicht. Hinzu kommen Urinbefunde. Auch kindliche Herztöne und Bewegungen sowie der Gebärmutterstand werden eingetragen. Die Einträge zeigen, wie sich die Schwangerschaft entwickelt. Ein einzelner Eintrag zeigt selten den gesamten Verlauf.

Eintrag Bedeutung
SSW, zum Beispiel 20+3 20+3 bedeutet 20 vollendete Wochen und drei Tage. Sie befinden sich damit am dritten Tag der 21. Schwangerschaftswoche.
RR Abkürzung für Blutdruck. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme beurteilt den Wert zusammen mit den weiteren Befunden.
Fundusstand Gibt an, wie hoch der obere Teil der Gebärmutter tastbar ist. S steht für Symphyse, also das Schambein, N für Nabel und Rb für Rippenbogen. S+3 bedeutet zum Beispiel drei Fingerbreit über dem Schambein.
Hb Hämoglobin, ein Bestandteil der roten Blutkörperchen. Der Wert kann Hinweise auf eine Blutarmut geben und wird bei Bedarf eingeordnet.
Eiweiß oder Zucker im Urin Hält fest, ob bei der Urinuntersuchung Eiweiß oder Zucker gefunden wurde. Ein einzelner Eintrag stellt keine Diagnose.
SL, BEL, QL Abkürzungen für Schädellage, Beckenendlage und Querlage. Die Lage des Kindes kann sich im Verlauf noch verändern.

Ein früher Eintrag zur Kindslage sagt deshalb nicht automatisch aus, wie das Kind bei der Geburt liegt. Auch ein auffälliger Urin- oder Blutdruckwert muss im Zusammenhang mit weiteren Untersuchungen beurteilt werden.

Was die Ultraschallseiten zeigen

Zur regulären Vorsorge in Deutschland gehören drei Ultraschalluntersuchungen. Sie finden ungefähr im dritten, sechsten und achten Schwangerschaftsmonat statt, also etwa in der 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche. Weitere Untersuchungen kommen hinzu, wenn ein Befund oder ein besonderes Risiko sie erforderlich macht.

Auf den Ultraschallseiten finden Sie verschiedene Messwerte: BPD bezeichnet einen Kopfdurchmesser. ATD steht für einen Durchmesser des Brustkorbs. APD/AU bezeichnet Maße des Bauchs, FL die Länge des Oberschenkelknochens. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme bewertet diese Werte gemeinsam und im Verlauf. Ein einzelner abweichender Messwert lässt sich nur zusammen mit den übrigen Befunden beurteilen.

Auch ein Feld mit „Nein“ bedeutet nicht automatisch, dass eine Fehlbildung festgestellt wurde. Das Feld kann zum Beispiel anzeigen, dass ein bestimmter Bereich bei der Untersuchung nicht ausreichend zu sehen war. Fragen Sie bei einem solchen Eintrag, was genau nicht dargestellt werden konnte und ob eine weitere Untersuchung geplant ist.

Geburt und Wochenbett

Im hinteren Teil des Mutterpasses werden Angaben zur Geburt, zum Neugeborenen und zum Wochenbett dokumentiert. Dazu gehören etwa die Apgar-Werte, die nach fünf und zehn Minuten erfasst werden. Der Apgar-Wert fasst Beobachtungen zu fünf Bereichen zusammen. Dazu zählen Atmung, Puls und Muskelspannung. Bewertet werden auch Hautfarbe und Reflexe. Jede dieser fünf Kategorien wird mit null bis zwei Punkten bewertet, höchstens zehn Punkte sind möglich.

Im Mutterpass können auch der pH-Wert aus Nabelarterienblut und der gynäkologische Befund im Wochenbett eingetragen werden. Diese Einträge dokumentieren Befunde rund um die Geburt, ersetzen aber keine umfassende Beurteilung der späteren Entwicklung des Kindes.

Bei unklaren Einträgen nachfragen

Wenn Sie einen Eintrag nicht verstehen oder sich wegen eines Befunds Sorgen machen, notieren Sie Ihre Frage und nehmen Sie den Mutterpass zum nächsten Termin mit. Hilfreich sind konkrete Fragen: Was wurde untersucht? Ist das ein Hinweis, der noch abgeklärt werden muss, oder steht bereits eine Diagnose fest? Ist eine Kontrolle nötig?

Bei Beschwerden oder dringender Sorge wenden Sie sich vor dem nächsten regulären Vorsorgetermin an Ihre betreuende Praxis, Hebamme oder den zuständigen ärztlichen Bereitschaftsdienst.

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