Problemfamilien: Welche Möglichkeiten der Bildungsförderung gibt es?

Bildung ist notwendig. Bildung wird gewünscht. Bildung kostet. Das wissen alle Familien. Notwendige Nachhilfe, Musikunterricht, Ballettstunden und der Sportverein sind teure Angelegenheiten. Beim monatlichen Beitrag bleibt es oft nicht. Meist kommen noch Kosten für Bücher oder Ausrüstung hinzu. Vom Fahrgeld einmal abgesehen. Gerade für Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern oder mit nur geringem Einkommen ist das oft unerschwinglich. Doch es gibt Möglichkeiten der Unterstützung.

Stichwort Bildungspaket

Das Gesetz über „Leistungen für Bildung und Teilhabe gem. §§ 28, 29 SGB II“, kurz Bildungspaket genannt, regelt die Teilnahme von hilfebedürftigen Kindern und Jugendlichen an Bildungsangeboten sowie am gesellschaftlichen Leben. Gefördert werden u.a. folgende Angebote:

  • das gemeinsame Mittagessen in Kindergarten, Schule oder Hort
  • Lernförderungen wie Nachhilfe, wenn in der Schule keine Angebote bestehen, das Lernziel nur dadurch erreicht werden kann und die Schule dies entsprechend bestätigt. Mehr Infos hier: http://www.schulfit.de/schueler-abiturienten-studenten/index.html
  • Kultur- und Sportangebote, wie Musikunterricht, Kurse oder die Mitgliedschaft im Sportverein, mit monatlich bis zu 10 Euro
  • Schulbedarf mit insgesamt 100 Euro im Jahr und eintägige Ausflüge mit Schule oder Kindergarten
  • Fahrkosten, wenn die Schule weiter entfernt liegt, werden erstattet. Antragsberechtigt sind Grundsicherungsempfänger, Geringverdiener und alle Familien, die Wohngeld beziehen. Der Antrag wird beim Jobcenter oder Bürgeramt gestellt.

Schülerläden und Jugendzentren

In den meisten Stadtteilen gibt es offene Freizeit- und Nachbarschaftszentren. Hier finden z.B. Kurse für Kinder und Jugendliche statt, die kostengünstig oder sogar kostenlos angeboten werden. Gerade für einkommensschwache Familien sind soziale Kontakte in der Nachbarschaft wichtig. Oft finden sich in diesen Zentren oder über die Gemeinde auch bildungsfördernde Angebote, die sich direkt an Kinder oder Jugendliche mit entsprechendem Bedarf wenden.

Stichwort Jugendamt

In speziellen Fällen gibt es die Möglichkeit, eine Bildungsförderung über das zuständige Jugendamt zu bekommen. Dies ist trifft insbesondere zu, wenn deutliche Rückstände im Lernstoff aufgetreten sind bzw. Lernschwächen festgestellt wurden. Dabei spielt auch der Blick auf das gesamte Umfeld eine Rolle. Gerade für Jugendliche kann der Aufenthalt in einem Internat förderlich und somit sinnvoll sein. Die meisten Internate sind sehr teuer, verfügen mitunter über geförderte Plätze, arbeiten aber auch mit den Jugendämtern zusammen. Bereits vor der Vereinbarung eines Termins sollte man sich detailliert überlegen, in welchen Bereichen das Kind Hilfe benötigt. Zeugnisse und Gutachten von Lehrern bzw. dem Kinderarzt sind sinnvoll. Der sozialpädagogische Dienst kann gegebenenfalls weiterhelfen.

Schulpsychologischer Dienst

Hilfsangebote findet man auch beim zuständigen Schulpsychologischen Dienst. Hier können sowohl Schwächen als auch Stärken festgestellt und weiterführende Hilfen vermittelt werden. Wichtig ist es, in den Gesprächen auf die Bedürftigkeit der Familie hinzuweisen. Gerade im Bereich der Hochbegabtendiagnostik sind in den letzten Jahren immense Fortschritte gemacht worden, die eine staatliche Pflicht zur Förderung dieser Kinder einschließen. Wichtig ist es, sämtliche diagnostischen Unterlagen bzw. Ergebnisse zu sammeln, um damit entsprechende Anträge belegen zu können.

Begabungen fördern

In den letzten Jahren hat die Begabtenförderung größere Beachtung gefunden. Es gibt verschiedene Stiftungen, die besonders begabte Kinder durch Bildungszuschüsse, spezielle Programme, Kinderfreizeiten etc. fördern. Hierzu müssen rechtzeitig entsprechende Anträge gestellt und Gutachten der unterrichtenden Lehrer eingeholt werden. Auch Gymnasien und Universitäten bieten kostenlose Arbeitsgemeinschaften für interessierte und begabte Schüler an. Hinweise finden sich auf den Webseiten der Einrichtungen. An staatlichen Musikschulen werden entsprechende Förderansätze gleichfalls umgesetzt. Hier können begabte Kinder und Jugendliche kostenfrei zusätzliche Stunden belegen und außerdem im Orchester mitspielen.

Einkommensschwache Familien können einiges für die Ausbildung ihrer Kinder tun. Erziehung, Betreuung und Bildung sind zentrale Anliegen der gesamten Gesellschaft, die verpflichtet ist, Familien entsprechend zu unterstützen.

Anlaufstellen:

  • Seit zwei Jahrzehnten sind die Kreativitätsschulen für ihre außergewöhnliche Bildungsförderung bekannt.
  • Das Fachkraftwerk CoLab.de unterstützt in Not geratene Jugendliche, bildet sie in technischen Berufen aus oder vermittelt den Jugendlichen ein Arbeitsverhältnis und unterstützt sie im sozialen Bereich.
  • Zentrum für Förderpädagogik der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens: ZFP.be
  • Der Stadtelternrat Osnabrück vertritt die Interessen von Eltern und Schülern in Osnabrück.

Marianne

Marianne ist leidenschaftliche Mama und Bloggerin und berät online wie offline Familien rund um Erziehung, Ernährung & Partnerschaft. Auf familien-frage.de gibt sie Ihre Geheimnisse preis und bloggt über Alltägliches. Marianne ist außerdem die redaktionelle Leiterin von Familien-Frage.