Schlaftraining für Babys und Kleinkinder: Pro und Contra

„Und – schläft es schon durch?“ – Wie oft hast du diese Frage von Oma, Opa oder Freunden schon gehört? Vor dir tauchen Bilder langer Nächte auf, wenn dein Kind nicht einschlafen will oder immer wieder aufwacht und du es in dieser empfindsamen Phase nicht allein lassen willst. Was ist richtig? In den Schlaf begleiten oder notfalls auch brüllen lassen, damit das Kind lernt, allein einzuschlafen?

Wissenschaftlich untersucht seit mehr als dreißig Jahren

Trotz vieler Ansätze und einer Metastudie aus dem Jahr 2006 über 52 andere Untersuchungen sind die Ergebnisse widersprüchlich. Insbesondere die Frage, ob ein Schlafprogramm für Kinder schädlich sein kann, ist nicht abschließend beantwortet. In den USA zeigte 2012 ein klinischer Versuch mit einem Schlaftraining eine sinkende Ausschüttung des Stresshormons Cortisol bei den Müttern – allerdings um den Preis eines erhöhten Cortisolspiegels bei den Kindern.

Radikale Vorschläge wie die Methode „Cry it out“ des US-Kinderarztes Marc Weissbluth (wach ins Bett legen und schreien lassen, solange kein medizinisches Problem auftritt) zeigen erwiesenermaßen Wirkung, dürften aber heute ebenso wenige Anhänger haben wie der in Schnaps und Honig getauchte Schnuller.
Etwas sanfter liest sich das Schlaftraining nach Richard Ferber (1995): Auch hier wird das Kind wach ins Bett gelegt, die Eltern verlassen das Schlafzimmer und kommen frühestens nach drei Minuten wieder, wenn das Kind weint. Dadurch lernt es, dass die Eltern nicht „für immer“ verschwunden sind. Wichtig für den Erfolg: Das Kind wird nicht aus dem Bett genommen, und die Intervalle werden im Zeitablauf verlängert. Die Psychologin Annette Kast-Zahn und der Kinderarzt Hartmut Morgenroth haben dieses Schlaftraining zur Ping-Pong-Methode abgewandelt. Hier dürfen Eltern schon nach einer Minute zurückkehren oder sogar am Bett bleiben, wenn sie um das Kindeswohl fürchten. Auch die Freiburger Sanduhr und das aus Australien stammende Tweddeln (Kombination von Trostphasen mit Entspannungstechniken) gehen auf Ferber zurück.

Nicht jedes Kind braucht ein Schlafprogramm

Andere Ärzte und Wissenschaftler wenden sich entschieden gegen jegliches Schlafprogramm, das Tränen bei den Kindern verursacht. Sie favorisieren bindungsorientierte Methoden, bei denen ein Elternteil beim Kind bleibt und sich zum Beispiel schlafend stellt (Parental Presence). Der Abstand zwischen Kinderbett und Stuhl oder Matratze für die Eltern kann täglich etwas vergrößert werden. Vom Co-Sleeping, dem Schlaf im Familienbett, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dagegen wegen der schlechten Schlafqualität für Kinder und Eltern ab.

Kontrolliertes Weinen oder Kuscheln – den Königsweg gibt es nicht. Schlafprogramme sollten in jedem Fall erst ab einem Alter von sechs Monaten einsetzen, wenn das Kind nachts keine Nahrung mehr bekommt. Außerdem muss sichergestellt sein, dass Schlafprobleme keine gesundheitliche Ursache haben. Ein- oder zweimal in der Nacht aufzuwachen, ist ebenso in Ordnung wie ein auf sechs Stunden reduziertes Schlafbedürfnis. Ich persönlich bin ein Freund von Bindung statt Trennung, auch beim Einschlafen – allein schon, weil ich die Trennung von meinem weinenden Kind ohnehin nicht durchhalten würde. Ich bin mir aber der Gefahr des Nachgebens für die Entwicklung des Kinds zur Selbstständigkeit bewusst und versuche, in der Erziehung gegenzusteuern. Das abendliche Einschlafritual ist aber für mich keine Zeit für einen Machtkampf.

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Marianne

Marianne ist leidenschaftliche Mama und Bloggerin und berät online wie offline Familien rund um Erziehung, Ernährung & Partnerschaft. Auf familien-frage.de gibt sie Ihre Geheimnisse preis und bloggt über Alltägliches. Marianne ist außerdem die redaktionelle Leiterin von Familien-Frage.