So werden aus Kindern keine schlechten Verlierer

„Der ist aber ein schlechter Verlierer!“ – So ein Spruch hat leider nicht nur bei Spielen mit Kindern oft seine Berechtigung, sondern trifft auch auf viele Erwachsene zu. Beim Sport, im Verein, aber auch im beruflichen Alltag. Gewinnen, aber auch Verlieren will gelernt sein. Und was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Eine Frage des Selbstvertrauens

Wenn ich ein Fest mit Spielen organisiere, gibt es selbstverständlich auch Preise. Pokale für den Kindergeburtstag sind eine schöne Erinnerung an einen besonderen Tag. Ich finde auch absolut nichts Schlechtes daran, Leistung zu belohnen. Dass es Gewinner und Verlierer gibt, erfährt mein Kind ohnehin ständig, und sei es nur aus dem Sportteil der Zeitung. Und da wird auch klar, dass der zweite und dritte Sieger nur die kleineren Trophäen mit nach Hause nehmen, andere gänzlich leer ausgehen.

Stark, schnell, schön – sind das die Maßstäbe unserer Zeit? Bei einem Gesellschaftsspiel entscheidet oft reines Würfelglück und nicht die eigenen Fähigkeiten. Einem Kind ist dieser Unterschied aber nicht unbedingt klar. Schon ab einem Alter von zwei bis drei Jahren beginnen sie, ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen – diese Trotzphase ist dir sicher bestens in Erinnerung, wenn deine Kinder sie schon durchgemacht haben. Später, oft mit dem Einsetzen der Pubertät, kommen echte Ängste vor Versagen und Blamage hinzu. Fehlt es deinem Kind an Selbstvertrauen, kannst du dir den Hinweis „Das ist doch nur ein Spiel“ schenken, denn für den Verlierer macht es keinen Unterschied, ob seine Niederlage für andere bedeutsam ist oder nicht.

Kleine Siege feiern

Vor einigen Monaten war ich Gast beim Fußballturnier meines Patenkinds. Es war ein entsetzliches Erlebnis. Der raue Ton des Trainers unterschied sich wenig von dem, was ich aus der Sportschau kenne. Noch schlimmer aber waren die Eltern, die jeden kleinsten Fehler ihrer künftigen Fußballstars gnadenlos bloßstellten. Bin ich froh, dass meine Kleine sich nicht für solchen Mannschaftssport begeistert, denn hier werden unter Garantie schlechte Verlierer herangezogen. Und schlechte Gewinner übrigens auch, die hochnäsig auf andere hinabsehen.

Ich habe in der Familie angefangen mit Beschäftigungen, bei denen es nur Gewinner gibt. Zum Beispiel ein Puzzle, das wir alle gemeinsam fertiggestellt haben. Aber ich habe die normalen Spiele, die einen Gewinner kennen, nicht völlig verbannt – siehe meine Eingangsbemerkung zum Kindergeburtstag und den Pokalen. Für wichtig halte ich eine Auswahl von Spielen, in denen jeder gleiche Chancen hat, das Glück wechselt und Verlieren keine persönliche Niederlage bedeutet. „Puh, das war aber knapp“ ist besser als übertriebener Trost. Gern lenke ich die Aufmerksamkeit auf Siegertypen, die auch mal in eine dumme Situation geraten und damit umgehen können. Sebastian Vettel ist 2019 nicht Weltmeister in der Formel 1 geworden und viele Punkte durch dumme Fehler liegen lassen. Aber er fährt trotzdem im nächsten Jahr weiter.

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