Wegwerfwindeln, Alternativen und die jeweiligen Vor- und Nachteile

„75 Wagen westwärts“ – Mit den vierzig Wagen, die Burt Lancaster in seinem berühmten Film nach Denver führte, wirst du nicht auskommen. Knapp doppelt so viel Transportkapazität benötigst du für alle Windeln, die dein Kind braucht, bis es trocken ist. Zugegeben, die Rechnung ist in Einkaufswagen gemacht statt in Planwagen. Aber der Müllberg durch Einwegwindeln, eine Tonne schwer, ist schon enorm. Muss das sein, habe ich mich gefragt. Gibt es eine sinnvolle Möglichkeit, wegzukommen von Wegwerfwindeln und Alternativen, die Gesundheit und Komfort meines Kindes nicht beeinträchtigen?

Zum Müllproblem kommt der Ressourcenverbrauch

Der Inhalt des Windeleimers landet im Restmüll, und das bedeutet Müllverbrennung. Immerhin wird dadurch Energie gewonnen, ein kleiner Pluspunkt in der Ökobilanz.

Dabei brennen aber nicht nur Zellstoffkern und die darin aufgesaugten Ausscheidungen, sondern auch die Kunststoffbestandteile. Die entstehenden Abgase und die Asche sind giftig, auch wenn wirksame Filteranlagen im Einsatz sind. Den guten Ergebnissen von Schadstoffmessungen traue ich nicht. Es gibt zu viele Fehlerquellen, zum Beispiel, dass Dioxine nur in der Luft gemessen werden, sie sich aber tatsächlich viel mehr an Staubpartikel binden. Schlacke wird deponiert oder als Baumaterial benutzt. Der Abbau der darin enthaltenen Schadstoffe dauert hunderte von Jahren. Außerdem musst du dir vorstellen, dass allein für den Zellstoff in den Wegwerfwindeln eines Kindes vier bis fünf Bäume gefällt werden müssen.

Das alles ist der Preis für Hygiene und Komfort. Die Hersteller haben viel Entwicklungsarbeit in moderne Windeln gesteckt. Bei richtiger Handhabung bleibt an der Haut sowie außen alles trocken. In den Windeln konnten in vielen Tests keine verbotenen gesundheitsschädlichen Substanzen nachgewiesen werden – Einzelfälle, in denen allergische Reaktionen auf bestimmte Bestandteile auftreten, widerlegen das nicht. Ist dein Baby davon betroffen, kann schon ein Markenwechsel Besserung bringen. Ein Tag Windelpause, wie er von Ärzten empfohlen wird, ist auch eine gute Idee.

Zwiespältige Bilanz der Stoffwindeln

Mit einer Stoffwindel ist der Nässeschutz zwar etwas schlechter, dafür brauchst du aber kein schlechtes Öko-Gewissen zu haben? Leider stimmt das so nicht. Zunächst einmal, chemisch unbehandelte Baumwolle (natürlich aus ökologischem Anbau, am besten aus fairem Handel, damit nicht die Baumwollpflücker für unsere Kinder leiden) ist für die Haut angenehmer.

Die Baumwolle allein reicht aber nicht. Zur Aufnahme der Nässe brauchst du eine Saugeinlage sowie gegebenenfalls eine Baumwollhose, die die ganze Konstruktion sicher am Körper hält. Wie gut die Ökobilanz ausfällt, hängt davon ab, wie du die Windel wäschst. 60 °C Wassertemperatur reichen, aber nur eine moderne Waschmaschine ist so sparsam mit Wasser und Energie, dass das Windelwaschen aus Umweltsicht Sinn macht. Während Milchstuhl leicht ausgewaschen wird, müssen Ausscheidungen nach Brei und fester Kost in der Toilette entsorgt werden – mit entsprechendem Wasserverbrauch. Ein Kompromiss sind Vlieseinlagen, die wie bei der Einwegwindel komplett entsorgt werden, während der Rest der Windel nach der Wäsche wieder Verwendung findet.

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